Kleine Weisheiten


“Wenn zwei Knaben jeder einen Apfel haben und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen. Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken. ”
Lasst uns, frei nach diesem Spruch von Platon, unsere Gedanken teilen.


Mittwoch, 6. Oktober 2010

Gedanken zur Nacht...


…heute mal ernster Natur.

Für viele Patienten mit Leukämie und Leukämie-ähnlichen Erkrankungen besteht die einzige Chance auf Heilung in einer so genannten Stammzell- oder Knochenmark-transplantation. Vor ca. 1 Jahr habe ich mich bei einer Aktion typisieren lassen. Eine Freundin war an Leukämie erkrankt, hatte aber einen Bruder als Spender. Aber für 60 bis 70 % aller Erkrankten gibt es keinen geeigneten Spender in der Familie, und die sind auf andere Menschen angewiesen, die sich zur Verfügung stellen. Leider hat meine Freundin die Krankheit trotz Spender nicht überlebt!

Die Chance jemanden zu finden, der die gleichen Gewebemerkmale hat wie man selber, stehen , je nach Merkmal-Kombination, 1:1 000 bis 1: mehreren Millionen.

(Weitere Infos könnt ihr hier nachlesen)

Also, lange Rede kurzer Sinn ich habe mich typisieren lassen. Und komme jetzt tatsächlich als potenzieller Spender in Frage. Es müssen noch weiter reichende Untersuchungen gemacht werden, ob tatsächlich alles passt. Aber, die Chance besteht.

Die Prozedur ist aufwändig, eventuell schmerzhaft und gar nicht so einfach, wie ich dachte. Es entstehen mir keine finanziellen Nachteile, denn sie zahlen den Ausfall beim Arbeitgeber, Fahrtkosten usw. Sie würden außerdem eine Risikolebensversicherung für mich abschließen ...man weiß ja nie!

Die Ärztin hat mich mehrere Male darauf hingewiesen, dass ich jederzeit absagen kann, wenn ich nicht will. Aber ganz ehrlich, was ist denn die Alternative? Es gibt irgendwo in Deutschland oder in einem anderen Land einen Menschen, für den ich vielleicht der Strohhalm bin. Soll ich da aus Bequemlichkeit oder Angst sagen „Sorry, hab´s mir anders überlegt?“

Ich würde ja auch nie einem Menschen beim Ertrinken zusehen, sondern ihn retten, auch wenn mein Leben dabei in Gefahr wäre.

Aber, es ist doch eine schwerere Entscheidung als ich dachte.

Es ist immer einfach zu sagen: " Ich gebe!", aber wenn der Ernstfall kommt….

Ihr seht, schwere Gedanken die mich zu Zeit bewegen!

Kommentare:

Kullerbü hat gesagt…

Oh, mutig! Ja, du hast Recht... wenn es noch Theorie ist, denkt man sich, das ja nichts dabei ist zu spenden. Aber wenn es dann Ernst wird... uff. Ich dachte eigentlich auch (so wurde es immer mal erklärt/betont), daß das für den Spender nicht schmerzhaft oder mit Risiken verbunden ist... hm... das ist wirklich keine leichte Entscheidung, aber wie du schon sagst: hat man eine Alternative? Dann lebt man den Rest des Lebens damit sich vorzuwerfen, daß evtl. ein Mensch meinetwegen womöglich gestorben ist... Aber anscheinend muß man zuvor doch noch ausgiebiger über alles nachdenken...
Du wirst die richtige Entscheidung treffen und ich wünsche dir alles Gute für diese Entscheidung!!
Ich hoffe, du wirst berichten...
Es macht einen nachdenklich.
Viele liebe Grüße von Ann

Heidegeist hat gesagt…

Liebe Sabine. Das ist eine wunderbare Sache von dir. Und du wirst genau abwegen, auch im Sinne deiner Familie. Und wie du dich dann entscheidest, wird es richtig sein. LG Inge

URUGUAY LIFE - WHITE LIFE hat gesagt…

Liebe Sabine,

ich überlege gerade, ob die Entscheidung überhaupt etwas mit Mut zu tun hat.

Ich glaube nicht. Mut ist etwas anderes. Ich denke eher, es ist eine Frage der Menschlichkeit, der Überwindung von Bequemlichkeit, des "Nicht-weg-Schauens".

Natürlich ist und kann so ein Eingriff nicht verharmlost werden. Es ist eine OP. Und es können Nebenwirkungen auftreten.

Sicher ist eine positive Entscheidung einfacher, wenn es einen Menschen betrifft, zu dem emotionale Bindungen bestehen. Aber wie du schon schreibst: "Kann man nein sagen? Absagen?"

Ich glaube auch nicht. Die Risiken sind da, aber überschaubar. Der Eingriff keine unbekannte oder neue OP.

Überleg dir dennoch sehr gut, ob und wie du emotional damit umgehen kannst. Auch für den Fall, dass deine Bereitschaft nicht zum gewünschten Erfolg führt, denn auch diese Eventualität muss in Betracht gezogen werden.

Du wirst die richtige Entscheidung treffen - lass dir dafür die notwendige Zeit, die sicher nicht sehr großzügig bemessen ist.

Liebe Grüße

VINTAGE

angela hat gesagt…

Hallo, liebe Sabine ...

ich habe mit sehr viel Interesse Deinen post gelesen - auch ich wollte mich vor vielen Jahren einmal typisieren lassen. Es ist dann aber nie dazu gekommen, weil meine Gesundheit es nicht zuließ.

Ehrlich gesagt, wüsste ich auch nicht, WIE ich mich in Deiner Situation entscheiden sollte.
Ich denke, es wird eine sehr schwerwiegende Entscheidung, aber WIE Du es auch machst - es wird für DICH die richtige sein!
Vertrau Deinem Herzen und Deinem Gefühl!!

Ganz, ganz liebe und herzige Grüße
*Angela*

Veilchengarten hat gesagt…

Liebe Sabine,
ich habe mich erst vor vier/fünf Wochen typisieren lassen. Hmm, dass es mal zu einem "Ernstfall" kommen kann, habe ich bedacht, klar, sonst hätte ich mich ja nicht typisieren lassen...
Ich finde, wenn man einem anderen Menschen das Leben retten kann, stellt sich kaum die Frage, auch wenn Schmerzen und viele Untersuchungen auf einen zukommen... Ich selber war in einer schlimmen Lage, in der ich auf viel Blut eines Spenders angewiesen war. Klar ist eine Knochemarkspende noch was anderes, aber trotzdem!
Ich finde es toll von dir, liebe Sabine!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ganz liebe Grüße,
Juliane

anja (aus dem Land der Friesen) hat gesagt…

Sehr mutig von dir!
Aufgrund meines Gesundheitszustandes komme ich als Spenderin nicht infrage, das nimmt mir zum Glück die Entscheidung ab.
Neulich habe ich in den Nachrichten gehört, dass nach langer Zeit ein Spender für ein todkrankes Kind gefunden wurde. Die Familie war natürlich überglücklich, hatte endlich wieder Hoffnung. Und dann sagte der Spender ab...
Zuerst war ich so wütend, denn die Konsequenzen einer Typisierung sollte man sich doch vorher überlegen. Aber dann fand ich die Entscheidung doch sehr menschlich obwohl immer noch ungerecht der betreffenden Familie gegenüber...
Wünsche dir auf jeden Fall von ganzem Herzen einen guten Verlauf und Gottes Segen für dein Tun!
GGLG von der Küste,
anja

Simone hat gesagt…

Liebe Sabine

Ich kann dich sehr gut verstehen. Die Angst vor dem eigenen Mut hatte ich schon in anderen, weniger gravierenden oder ernsthaften Situationen. Wie Anja schreibt, ist es sehr menschlich Angst zu haben, denn schlussendlich ist sich (so böse das auch klingt) von Natur her jeder selbst der nächste. Du hast dich damals für deine Freundin typisieren lassen und wolltest ihr helfen, jetzt ist jedoch jemand fremdes auf dich angewiesen. Wirst du erfahren wer es ist und wo? Würde das helfen? Ich weiss es nicht. Es ist so ein schwieriges Thema, dass kann dir niemand abnehmen, das ist eine Herz-Bauch-Kopf-abwäge Entscheidung. Wie weit soll Nächstenliebe gehen? Ich weiss es nicht. Die Grenze ist bei jedem woanders. Ich drück dich und hoffe du findest für dich die richtige Entscheidung Sabine.

Alles Liebe.

Simone

Angelina hat gesagt…

Meine liebe Sabine,

uff, jetzt hast Du mich gepackt. Ich weiß wirklich nicht, was ich machen würde... Meine Tante hatte auch Leukämie, aber es geht ihr heute zum Glück wieder einigermaßen gut.
Danke für diesen Gedankenanstoß... Und: Ich bin sehr auf Deine Entscheidung gespannt... Würde mich freuen, wenn Du sie uns irgendwann mitteilen würdest.
Ich wünsch Dir dafür viel Kraft, meine Liebe!

Umarm Dich feste,
Angelin ♥

Dekowahnsinn hat gesagt…

Wow, mehr kann ich dazu nicht sagen, und ich glaube dir das die endgültige Entscheidung nicht leicht ist!
Ich denke an dich und du wirst das richtige für dich tun!

Grüsse Sabine

Fuchsienrot hat gesagt…

Liebe Sabine,
ich habe auch erst kürzlich gelesen, dass so ein Eingriff für den Spender nicht so ohne ist. Du stehst vor einer schweren Entscheidung. Ich kann mir gut vorstellen, was momentan in dir vorgeht. Zum einen die eigenen Ängste und Bedenken, zum anderen denkst du an den Mensch, dessen (vielleicht) letzte Hoffnung du bist. Aber wie Heide schon schrieb, du wirst das für dich Richtige tun, da bin ich ganz sicher. Ich denke an dich.
LG Angelika

Pupe*s Fadenkreuz hat gesagt…

Das EHRT Dich!

LG,
Pupe